Fünffacher „Wechselblick“ in je eigener Bildsprache
Langenargener Produzentengalerie lädt Künstlerinnen aus Kirchheim/Teck ein
Den Sturz des Ikarus hat Elke Koch zum Thema ihres Triptychons gemacht. Davor die Produzentinnen Siegi Treuter (links) und Silke Sautter-Walker.
Den Sturz des Ikarus hat Elke Koch zum Thema ihres Triptychons gemacht. Davor die Produzentinnen Siegi Treuter (links) und Silke Sautter-Walker. (Foto: Helmut Voith)

Von Christel Voith

Langenargen Auf der Suche nach Kooperationen sind die Verantwortlichen der Produzentengalerie im Kavalierhaus Langenargen beim Kunstverein Kirchheim unter Teck fündig geworden. Das Ergebnis ist die am Sonntag eröffnete Gemeinschaftsausstellung von fünf Kirchheimer Künstlerinnen, die unter dem Motto „Wechselblick“ in sehr reduzierter Bildsprache Malerei, Objekte, Fotografie und eine Installation zeigen.

Prof. Dr. Albrecht Leuteritz, Dozent an der Freien Kunstschule Stuttgart und Vorsitzender des Trägervereins, stellte die fünf Frauen vor, von denen jede ganz im Sinne eines neuen befreiten Verständnisses von Kunst ihren eigenen, unkonventionellen, unangepassten Weg gehe.

Mit einer Reihe hellgrauer Tafeln, auf denen in weißer Schrift in wechselnden Schrifttypen in jeweils anderer Sprache das Wort „Menschenwürde“ zu lesen ist, will Sibylle Burr der Forderung nach diesem auch heute noch so oft verletzten Menschenrecht Nachdruck verleihen, eine interaktive Installation, die zum Nachdenken anregen will.

Auch Angela Hildebrandt fordert den Betrachter zur Interaktion auf. Ihre abstrakten Acryltafeln aus dem Zyklus „vice versa“ mit 80 bis 100 Schichten von Lasuren verweisen auf „ungenormte Wesen“, das bewusst „gestörte“ asymmetrische, sprich instabile Format sucht die Entsprechung zum ebenso ungenormten menschlichen Körper.

Aus einer Werkgruppe von Bildern zur Mythologie hat die Malerin Elke Koch ein expressionistisches Triptychon zum Ikarus-Mythos mitgebracht. Das harte Schwarz-Weiß wie auch die Spuren des Malprozesses erzeugen eine dramatische Spannung beim Betrachten dieser Allegorie auf ein Streben, das den Boden der Realität verlassen hat.

Gegenüber lädt die fünfteilige Fotoserie „Durchblick“ der Fotografin und Malerin Ursula Raven zu genauer Betrachtung. In geringfügig veränderter Perspektive zeigen die fünf Bilder scheinbar einen Blick aus dem Atelierfenster. Erst bei näherem Hinsehen ist zu erkennen, dass man nicht die Realität, sondern nur die Spiegelung in den bronzefarben getönten Fensterscheiben sieht, eine Brechung, die Grenzen verschwimmen lässt. Unscheinbar erscheint das kleine Objekt am Boden von Christine Mockler. Fragmente eines Schuhpaars haben sich aufgemacht zum „Seeblick“, zum Erfassen des Raumes, für den sie eigens gefertigt wurden. Ebenso wie die drei Wandobjekte zum Thema „Ablegen“, die auf den Garderobencharakter des Nebenraums eingehen. Bis 23. September ist der fünffache „Wechselblick“ noch zu erleben.

(schwäbische.de 03.09.2012 08:00)

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